Schon einmal von D E R Melonenplatte gehört? Gemeint ist nicht eine Früchteplatte, sondern eine innovative Spanplatte im Bereich Brandschutzforschung!

Im Brenntest: links, die von der ETH, in Zusammenarbeit mit der EMPA entwickelte "Melonenplatte". Rechts ein normales Stück Holz.
HS-Code Support heftet sich an die Fersen der neusten Innovation im Brandschutzsektor. Dieser Blog führt von der zündenden Idee der brandsicheren Melonenplatte 🍉, hin zur Tarifierungslage.
Aus der Schweizer Forschungsküche:
Die ETH in Zusammenarbeit mit der EMPA (eidg. Materialprüfanstalt) hat einen erstaunlichen neuen Baustoff entwickelt. Die Forschungsarbeiten haben ein bestimmtes Enzym im Wassermelonenkern als besonders nützlich erkannt für den Brandschutz. Daraus entstand eine Zusammensetzung, die in dieser oder ähnlicher Form bald Bestandteil sein dürfte in der künftigen Brandschutzplattenherstellung.
💡Innovation und Tarifierung:
Die Tarifierung hinkt der Innovation naturgemäss stets ein paar Schritte hinterher.
Ein designiertes Gremium der Weltzollorganisation, der HS-Ausschuss, beschäftigt sich in Rahmen der HS-Revisionen mit der Anpassung des HS-Verzeichnisses, sollten Produktneuheiten einen grossen Anteil des Aussenhandels ausmachen und eine eigene HS-Nummer benötigen (Siehe auch der hier publizierte HS-Blog: "HS-Revision: Die stille Revolution").
Könnte das bei dieser Melonenplatte der Fall sein? Eine Innovation mit enormen Potential ist sie auf jeden Fall!
Die Antwort ist Nein. Und zwar, weil die Tarifnummer für solche Platten bereits existiert.
🧐Beim Tarifieren geht es wie so oft im Leben um das genaue Hinschauen und Abgrenzen. So auch bei der ominösen Melonenplatte, die aus folgender Rezeptur besteht:
Wassermelonenkernepulver, vermengt mit Sägemehl als Basis, Harnstoff, dem Mineral Struvit und Wasser, sorgen für einen besonders schlecht brennbaren Baustoff, welcher anscheinend gar selbstlöschend sein soll.

Mis-en-place für die brandsichere Melonenplatte.
♻️ Der Unterscheid von zementgebundenen Spanplatten, mit ähnlicher Brandschutzwirkung: absolut kreislaufwirtschaftsfähig und umweltschonend durch nachwachsende Rohstoffe. 🍉
▶️Im Link gehts direkt zum Videobeitrag im SRF "10vor10" aus der monatlichen Serie "Die Idee":
Nach dem Hinschauen, grenzen wir ab, um die Wassermelonenkernen-Spanplatte richtig einzureihen:
Der Grundstoff besteht grossmehrheitlich aus Holzfasern, wie bei handelsüblichen Spanplatten (Sägespänen, Sägemehl). 🪵
Spanplatten werden Hilfsmittel zum Agglomerieren der Fasern (um sie zu verklumpen und zu verbinden) hinzugesetzt. Für reguläre Spanplatten der HS-Nummer 4410 sind das irgendwelche organische Bindemittel und Harze.
Für Brandschutzplatten hingegen werden mineralische Bindemittel eingesetzt, deren Eigenschaften die Charakteristik einer Brandschutzplatte bilden.
Eine unscheinbare Anmerkung grenzt ab: Anmerkung 1 i) zu Kapitel 44 schliesst Waren der HS-Nummer 6808 aus dem Kapitel 44 aus.
Dieser rechtlich verbindlichen Abgrenzung folgend landen wir bei dem HS-Code 6808.00, im zuerst etwas fremd wirkenden Kapitel 68 "Waren aus Steinen, Gips, Zement, Asbest, Glimmer oder ähnlichen Stoffen", angesichts des Hauptbestandteils aus pflanzlichen Fasern, aus welcher die Spanplatte ja doch besteht.
Die von der WZO erlassene Allgemeine Vorschrift 1 schafft Orientierung:
Überschriften von Kapiteln sind nach Auslegung der AV1 nicht allzu ernst zu nehmen - sie dienen lediglich als "Hinweise". Rechtlich verbindlich ist erst der Wortlaut der HS-Nummer und des HS-Codes, sowie der Anmerkungen, in diesem Fall Anmerkung 1 i) zu Kap. 44.
➡️Der mineralische Zusatz Struvit und seine für die Verwendung als Brandschutzplatte entscheidende Eigenschaft, gibt den Ausschlag für die Tarifierung in das Kapitel 68.
Insofern sind wir richtigerweise angelangt, Sägemehlanteil oder Wassermelonenkernen hin- oder her, bei dem HS-Code 6808.00.
Wer nun verdienterweise Lust auf die etwas erfrischendere Melonenplatte hat, bedient sich im Kapitel 08 (HS-Nummer 0807) 🍉🍴.
Danke fürs HS-Blog-Lesen, gerne bis zum nächsten Blog :) !
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