Werkzeuge zur Internationalität und Erfolg in der Schweiz.

Bildreferenz: Der Gotthard : Bahn, Strasse und Tunnel. [Erscheinungsort nicht ermittelbar] : [Verlag nicht ermittelbar], [1882]. ETH-Bibliothek Zürich, Rar 4615, https://doi.org/10.3931/e-rara-19935 / Public Domain Mark
Grenzüberschreitender Handel prägt das wirtschaftliche und gesellschaftliche Antliz der Schweiz seit Generationen.
Europas wirtschaftliche Verflechtung, Wachstum und Wohlstand wurde zum grossen Teil ermöglicht durch den Gotthardtunnel - oftmals "wirtschaftlicher Motor" oder gar "Lebensader" der Binnenwirtschaft Europas bezeichnet.
Tief sind die Furchen gegraben in dem wohligen, durch Stürme geprägten Gesicht unseres Landes. Einige stammen aus der Zeit vor dem Gottharddurchbruch, denn der Bau an sich dieser "Nord-Süd-Achse" war sorgen- und leidgeplagt.
⛏️1882 erfolgte er: Der lang ersehnte Durchbruch.
Man traf sich in der Mitte.
Nicht wie heute in der Schweizer Aussenhandelspolitik mit +/- ausgewogenen Kompromissen, sondern wortwörtlich: Man(n) grub 15 Kilometer durch den Tunnel, aufeinander zu.
➡️⬅️ Wie gross die Hoffnung war (!), auch tatsächlich aufeinander zu treffen. Nach pickelharter Arbeit unter üblen Bedingungen, zahlreichen Menschenleben als Preis, getrieben von Präzisionsanspruch durchbrachen die Mineure die letzten trennenden Schichten des Berges - mit nur wenigen Zentimetern seitlichen Abweichungen.
Die daran beteiligten Personen in dem Stollen: Mehrheitlich junge Angehörige der italienischen Arbeiterklasse.
Unerwünschte Fremdlinge damals im isolierten Alpenland von Göschenen, wo man "seinerlebtig" noch nie eine "ausländische Person" zu Gesicht bekam.
Der Gotthardbau resp. die dabei herrschenden miserablen Arbeitsbedingungen befeuerten die noch jungen gewerkschaftlichen Bewegungen in der Schweiz.
🥾
Hier in diesem Blog wage ich es, den Gotthard als Durchbruch und Grundstein unseres von Migration befeuertem Wirtschaftswachstums zu betrachten.
Grob politisch betrachtet.
Technisch und historisch betrachtet kommt die Nacherzählung der Gotthardgeschichte keine paar Zeilen aus ohne den berühmten Louis Favre.
Der gelernte genfer Zimmermann arbeitete sich aus Eigenantrieb zu einem der erfolgreichsten Bauunternehmer unserer Geschichte hoch: Fasziniert von dem Gotthardvorhaben gewann er schliesslich die Ausschreibung zum Gotthardbau.
Der Bau gelang wesentlich dank dem Einsatz einer druckluftbetriebenen Schlagbohrmaschine, betrieben durch mittels Wasserkraft angetriebener Räder in einem sogenannten "Compressorenhaus".
Genannt wurde der Bohrer auch "Ferroux 1869", Ferroux als Bezeichnung des Bohrsystems, und 1869, mutmasslich das Jahr der endgültigen Entwicklung dieses Typs.
🧐 Genau diesen Bohrer betrachten wir hier eingehender: Unter für damalige Verhältnisse ungewohntem Gesichtspunkt: Mit der aufgesetzten "HS-Brille" reihen wir dasjenige Werkzeug in das internationale Zolltarifverzeichnis ein, das vor bald 150 Jahren den Durchbruch brachte für die Schweiz im internationalen Güterverkehr.
Nach damaliger Bauart: höchstwahrscheinlich: HS-Code 8467.11 als "von Hand zu führende, pneumatisch, hydraulisch oder mit eingebautem Elektromotor (elektrisch oder nichtelektrisch) betriebene Werkzeuge", wobei sich der Wortlaut "von hand zu führend" nicht übereinstimmt mit der schienentauglichen Maschine.
Zu Recht daher der Gedanke: "Gut, dass damals noch niemand die Tarifierung für solche Geräte vornehmen musste."
Im Tunnelbau eingesetzte Bohrmaschinen nach heutiger Bauart: HS-Code 8430.31 resp. 8430.39 (selbstfahrend oder nicht).
🌎Was diese eigentümliche Bohrmaschine damaliger Bauart mit den Freihandelsabkommen, aber auch mit dem Harmonisierten System der Zolltarifierung zu tun hat?
Ihre Rolle als essenzielles Werkzeug zum wirtschaftlichen Erfolg: Wie es heute internationale Verträge und Übereinkommen tun, verhalf die Bohrmaschine indirekt der Schweiz und den Partnerländern zu hoher wirtschaftlicher Vernetzung und Effizienz.
Diese Rolle lässt sich auch dem Gotthardvertrag zuschreiben:
📜 ✍🏼 Dem Bauwerk lag der Gotthardvertrag von 1871 zugrunde, welchen Italien und die Schweiz, gefolgt vom damals "Deutschen Reich", im selben Jahr unterschrieben.
Gerne würde ich zum Schluss einen Apell platzieren, auch heute solche Gemeinschaftswerke (wenn auch eher vertragliche als bauwerkliche) zu erbringen mit unseren Nachbarländern.
Mit den Lehren der Vergangenheit.
Hinblicklich der Herausforderungen unserer Zukunft.
Aber das wäre nun doch etwas zuviel des Guten für diesen HS-Blog, dessen Ton sowieso schon unweigerlich etwas stark pathetisch und politisch geraten ist. 😅
Zeitzeuge: Die Ferroux 1869 lässt sich als Original betrachten im Verkehrshaus Luzern.











